Was meint „Brahmacharya“?

Brahmacharya ist einer der ethischen Grundsätze, die im Yogasutra erwähnt werden. Als ein Bestandteil der Yama ist Brahmacharya einer von fünf Wegweisern, die eine Empfehlung zum Umgang mit anderen sind.

Im zunächst unaussprechlich erscheinenden Wort steckt das Wort „Brahma“. Irgendwo hat man das doch schon einmal gehört, oder?

Brahma ist nicht nur einer der Hauptgötter des Hinduismus, sondern hat auch im Yoga seinen Platz: Durch Meditation soll ein Bewusstseinszustand der Selbstbeherrschung erlangt werden.

Oftmals wird Brahmacharya mit „Enthaltsamkeit“ oder „Keuschheit“ übersetzt und zielt somit auf Sexualität ab. Das mag großen Sinn ergeben, wenn wir vorhaben, ein Leben als buddhistische*r Mönch oder Nonne zu führen.

Wie aber können wir Brahmacharya in unser westliches und alltägliches Leben integrieren? Wozu wäre sexuelle Enthaltsamkeit sinnvoll?

  • Sexuelle Enthaltsamkeit ist mindestens dann wichtig, wenn es darum geht, unsere Bedürfnisse zurückzuhalten und an erster Stelle die Bedürfnisse des Anderen zu sehen.
  • Fragen, die wir uns unbedingt stellen sollten sind:
    • Ist eine Berührung erwünscht?
    • Ist eine Berührung überhaupt erlaubt?
    • Ist eine Berührung im gegenwärtigen Kontext angemessen?
    • Ist meine Sprache sexualisiert und könnte ich jemanden damit verletzen?
    • Ist die Darstellung eines Körpers sexualisiert und/oder dem Kontext angemessen?

Abgesehen vom sexuellen Aspekt des Brahmacharya könnten wir diesem Bestandteil der Yama noch andere Bedeutungen zuweisen:

Wir könnten versuchen, in unseren Handlungen weniger impulsiv zu sein und uns weniger von unserem Belohnungszentrum leiten zu lassen. Nur weil uns die Werbung ein gutes Gefühl verspricht, wird uns ein Spontankauf langfristig nicht befriedigen.

Wir könnten versuchen, unsere Bedürfnisse zu reduzieren. Das klingt erst einmal befremdlich, hören wir doch immerzu etwas von Work-Life-Balance und davon, dass wir auf unsere Bedürfnisse hören und sie endlich mal wieder befriedigen sollten. Prinzipiell halte ich das für gut und sehr wichtig. Die Frage, die sich an dieser Stelle aber für mich auftut ist: Welches Bedürfnis muss wirklich befriedigt werden? Was ist lebensnotwendig? Was ist Luxus? Was gibt mir ein gutes Gefühl und befriedigt langfristig meine Seele?

Die nächste Frage ist: Wo bleibt da der Spaß? Wo bleibt die Freude am Leben; wenn ich mir nichts gönnen darf?

Gönne dir etwas!

Gönne dir Reichtum in Form von liebenswerten Menschen um dich herum.

Gönne dir Berührungen, die nicht nur deine äußere Hülle, sondern vielmehr deinen innersten Wesenskern erreichen.

Gönne dir, frei zu sein. Denn das bist du. Du bist frei mit jedem Atemzug, den du tust. Frei, dein Leben so zu leben, dass es deiner innersten Natur entspricht.

Brahmacharya bedeutet Enthaltsamkeit.

Enthalte dich allem, was dir das Leben erschwert.

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