Pranayama – die Beherrschung des Atems

Wenn du nicht ganz neu auf der Yogamatte bist, kennst du sicher schon ein paar Atemübungen. Oder du warst vielleicht schon einmal in einem fortgeschrittenerem Yogakurs und plötzlich atmeten alle wie Darth Vader. Ich möchte dir heute etwas über Pranayama erzählen, das sind die Atemübungen im Yoga.

Als Prana werden der Atem, die Lebenskraft und die Energie bezeichnet, die unseren Körper durchfließen. Ayama hingegen bedeutet Spannung, Dehnung und Ausweitung. Also genau das, was Brustkorb und Bauch tun, wenn wir atmen.

Alles, was Yogis, die sich intensiver mit Pranayama beschäftigen möchten wissen müssen, findet man im Yogasutra. Dort wird dargestellt, dass Pranayama eine der Stufen des Achtgliedrigen Pfades ist, der den Yogi zu sich selbst führen soll.

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Kennst du das Gefühl, wenn dir etwas den Atem raubt? Es muss noch nicht einmal ein schockierendes Erlebnis sein, dass uns kurz den Atem stocken lässt. Es reicht bloßer Stress. Wir neigen dazu, unseren Atem ganz flach und dabei den Körper ganz fest werden zu lassen. Im Pranayama geht es darum, diese automatischen Abläufe zu stoppen und Blockaden in Geist und Körper zu lösen, indem wir uns ganz bewusst auf unsere Atmung konzentrieren.

Atemübungen sind ein Mittel zur Entspannung, wie auch zur Konzentration, für das du nichts brauchst, außer dich selbst. Du kannst Atemübungen zu jeder Zeit und an jedem Ort praktizieren.

Sie helfen dir, dich zu fokussieren.

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Als Entspannungs- und Achtsamkeitsübung für zuhause kannst du versuchen, deine fünf Hauptpranas (Vayus) anzusprechen:

Setze dich bequem auf deine Yogamatte und richte deinen Rücken ganz gerade auf. Schließe deine Augen, senke deine Schultern ganz bewusst und beobachte erst einmal deinen Atem. Wohin strömt er? In deinen Brustkorb? In deinen Bauch?

Udana Vayu: Beginne nun ganz bewusst, deinen Atem (Prana Vayu) in deine Kehle zu schicken. Beobachte, wie er sich an dieser Stelle anfühlt. Versuche Ein- und Ausatmung gleichlang werden zu lassen. Hier lassen erfahrenere Yogis die Ujjayi-Atmung entstehen, sie fördert Willen, Leistung und Gedächtnis.

Vyana Vayu: Schicke deinen Atem nun in deinen Brustkorb. Spüre, wie sich deine Rippen in alle Richtungen weiten und wieder zusammen kommen. In der Brustatmung findest du Balance und steuerst du Zirkulation deiner inneren Energie.

Samana Vayu: Sende deinen Atem in deinen Bauch, in etwa zwei fingerbreit unter dem Bauchnabel. Spüre, wie sich deine Bauchdecke langsam hebt und wieder senkt. Du kannst mit der Bauchatmung deine Verdauung aktivieren und fördern.

Apana Vayu: Lass deinen Atem in deinen Beckenboden wandern, wo das Wurzelchakra sitzt. Du kannst dir vorstellen, dass du das Prana, die Energie, die dich durchströmt, mit jeder Einatmung vom Beckenboden bis zu deiner Scheitelspitze wandern lässt. Bei der Ausatmung lass dein Prana nach unten fließen, sodass es sich mit der Ausatmung anfühlt, als wärst du fest mit der Erde verwurzelt.

Ich möchte dir drei Atemtechniken vorstellen, mit denen du möglicherweise bereits in deinem Yogakurs in Berührung gekommen bist oder die du noch kennenlernen wirst.:

  • Ujjayi-Atmung: Wenn du allein Ujjayi übst, klingt es ein bisschen nach Darth Vader. In einem vollbesetzten Yogakurs klingt es eher, als würdest du rauschende Wellen hören. Das Geräusch entsteht, indem die Kehle etwas verschlossen wird (als würdest du einen Spiegel anhauchen). Mit jeder Ein- und Ausatmung passiert der Atem diese Enge und erzeugt so das Darth Vader-Geräusch 🙂 .
    • Ujjayi üben wir, weil es den Kehlkopf reinigt und das Lungenvolumen erhöht wird; es erlaubt uns eine besonders tiefe Einatmung. Außerdem merkst du sehr schnell, wenn die Körperübungen dich zu sehr anstrengen – dann kannst du die Ujjayi-Atmung nämlich nicht mehr halten. In diesem Fall nimm dich ein wenig zurück oder geh in die Position des Kindes.

  • Nadi Shodana: Die Wechselatmung treibt so manchem Yoga-Neuling ein Schwindelgefühl in den Kopf. Hier wird durch ein Nasenloch ein- und durch das andere ausgeatmet. Immer im Wechsel. Ziel ist es, die Länge der Ein- und die Länge der Ausatmung gleichlang werden zu lassen.
    • Nadi Shodana hilft, Erkältungskrankheiten vorzubeugen und deinen Geist zur Ruhe zu bringen. Die Schwindelgefühle entstehen übrigens häufig, weil du deinem Körper plötzlich zuviel Sauerstoff zuführst. Meist wird es deutlich besser, wenn du ganz bewusst deine Ausatmung verlängerst. Solltest du dich unwohl fühlen, atmen ganz normal und ruhig weiter.

  • Kapalabhati: ist die Feueratmung und wird meist von fortgeschritteneren Yogis praktiziert. Sie ist eine sehr aktive Form der Atemübung; der Atem wird stoßweise und schnell vom Bauchraum aus durch die Nase herausgepresst, die Einatmung hingegen geschieht reflexhaft.
    • Durch regelmäßiges Üben erhöht sich deine Lungenkapazität. Während der Übung wird überschüssiges Kohlendioxid aus deinem Körper transportiert und obwohl dein Geist klarer und ruhiger wird, bist du nach der Atemübung wacher und aktiver.
    • Kapalabhati heißt nicht umsonst Feueratmung: Wenn dir im Winter einmal kalt ist, solltest du sie in deine Yogapraxis einfließen lassen.

 

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