Glück muss frei sein

Vor kurzem hat mich jemand gefragt: „Bist du glücklich? Mit dir und deinem Leben…?“

Der erste Impuls war: Ja, klar bin ich das! Der zweite Impuls: Oder? Bin ich eigentlich glücklich? Mit mir und meinem Leben?

Ich habe dann diplomatisch geantwortet, indem ich sagte, dass es ausbaufähige Bereiche gäbe, aber es schon werden würde. Das ist eine ziemlich nichtssagende Antwort und ich habe noch eine ganze Weile darüber nachgedacht.

Eigentlich kann ich mich glücklich schätzen. Ich habe keine nennenswerten Erkrankungen, einen sicheren Job, ein gelungenes Kind, unternehmungslustige Freunde und in letzter Zeit häufiger Schmetterlinge im Bauch. Man muss sich also glücklich schätzen in Anbetracht der Tatsache, wie vielen Menschen es sehr schlecht geht aufgrund des Ortes, an dem sie geboren wurden, traumatischer Erlebnisse, die ihnen widerfuhren, aufgrund von Verlusten jeglicher Art…

Sich glücklich schätzen ist jedoch nicht das gleiche, wie glücklich sein.

  • Was macht es denn aus, dieses Glück?
  • Und was wäre, wenn wir immerzu glücklich wären?
  • Macht Glück als Dauerzustand zufrieden?
  • Benötigt Glück nicht auch einen gewissen Anteil von Traurigkeit, damit wir es wertschätzen können, wenn es da ist?

Ist Glück die reine Abwesenheit von Unglück?

Ich glaube, dass Glück allen Dingen, Erfahrungen und Augenblicken zugeschrieben werden kann, die uns Sinnhaftigkeit verleihen. Was mir in meinem Leben Sinnhaftigkeit vermittelt kann etwas gänzlich anderes sein, als das, was deinen Nachbarn glücklich macht.

Ich verstehe deshalb gar nicht, weshalb so viele Menschen danach streben, Reichtum anzuhäufen, anerkannt und gesehen zu werden, weshalb ein materieller Status etwas darüber aussagt, wieviel ein Mensch in seinem Leben erreicht hat und dass nach außen hin Sichtbares ein allgemeingültiger Indikator für Glück, Zufriedenheit und Wohlstand sein soll.

  • Wen dies erfüllt, der soll danach streben.
  • Wen nicht, der muss sich selbst suchen.

Mir selbst erscheint es sinnhafter, auf einer Bank am Strand zu sitzen und vom Menschen neben mir zu erfahren, was ihn berührt. So ein Glück, dass es jemanden gibt, der sich mir anvertrauen möchte!

Wie schön es ist, mit dem Rad durch den Herbst zu fahren und zu sehen, wie kleine Kinder durch Laubhaufen springen – zur Freude ihrer Eltern!

Zu sehen, wie jemand, der eine übermächtige Vergangenheit bewältigen musste, jeden Tag aufsteht und nach vorn blickt. Wie schön das ist!

Je krampfhafter wir versuchen, uns am Glück festzuhalten, desto mehr entfernen wir uns davon.

Ist dir das schon einmal aufgefallen? Wenn wir uns krampfhaft an eine Liebe klammern, an einen Wunsch, eine Erwartung, eine bestimmte Vorstellung, desto eher entschwindet es uns. Selbstverständlich kannst du auf Ziele hinarbeiten und deinen nächsten Marathon in Bestzeit laufen. Das ist eine Sache, die du aus dir heraus beeinflussen und bewirken kannst.

Alle Dinge jedoch, zu deren Erfüllung andere Menschen oder Umstände nötig sind, wirst du, je stärker du sie umklammerst, weiter von dir treiben.

Das Glück lässt sich nicht zwingen.

Aber es lässt sich finden. In den kleinen Momenten des Lebens, die ihm Sinnhaftigkeit verleihen. Vielleicht sind diese kleinen Momente des Lebens das eigentliche Leben und der Rest ist nur Beiwerk?

 

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